BEITRÄGE

Die eigene (Next-) Cloud

Im Grunde ist es doch einfach.

Dropbox, Onedrive, Googles Speicherlösung, box.com und noch Amazons Drive bieten viel Speicherplatz und sind bequem. Man muss sich um nichts kümmern.

Stimmt in gewisser Weise auch. Leider aber auch doch nicht. Technisch werden die Dienste zu einem gewissen Grad kostenfrei angeboten, bieten diverse Zusatzleistungen wie mehr Speicherplatz oder ein Office-Paket mit mehr Speicherplatz gegen Entgelt oder Empfehlung. Dass das nicht immer positiv ist, zeigt in der Vergangenheit, dass einige Dienste Ihre Daten nicht immer gegen fremden Zugriff absichern. So hatte Dropbox bereits diverse Probleme (1, 2) und die Daten auf der Cloud sind für die Anbieter ebenfalls abrufbar.

Seit Februar 2016 betreibe ich einen eigenen Nextcloud Server komplett selbst administriert und kann nur Positives berichten.

Warum du das auch machen kannst und solltest, möchte ich nachfolgend erklären. 

Warum sollte ich mir eine eigene Cloud installieren?

Die kurze Antwort ist simpel, weil es deine eigene Cloud ist. Du brauchst lediglich einen (alten) Computer, eine halbwegs taugliche Internetverbindung und schon kann es los gehen. Du kannst den Stecker ziehen und keiner kann hierauf mehr zugreifen. Das geht bei Dropbox und Co. nicht. Wenn du deinen Account dort löschen lässt musst du darauf vertrauen, dass dem Dropbox auch nach kommt. Die PDF Ausdrucke deiner Steuererklärung, die Kontoauszüge und Bilder vom letzten Familienurlaub sind dann unter Umständen doch nicht gelöscht und auch noch in fremden Händen. Verstehe mich nicht falsch, ich will hier keinem Anbieter etwas unterstellen. 

Zudem bist du nicht von einer anderen Firma abhängig. Es kann sein, dass Dropbox plötzlich nicht mehr funktioniert, Google das kostenlose bereitstellen für Bilderhosting nicht mehr anbietet oder Amazon plötzlich das Geschäftsmodell ändert und du nicht mehr “Speicherplatz so viel zu willst” hast.

Du wirst mir ja auch nicht dein Computer mit Passwort übergeben.

Was kann Nextcloud eigentlich?

Nextcloud ist im Grunde “eigentlich nur” eine Lösung um Dateien auf einen Server ab zu legen und zwischen den unterschiedlichen Computern, Smartphones und Tablets zu synchronisieren. Dazu gibt es noch die Möglichkeit Notizen, Adressen, Kalender, Kanban-Boards und vieles mehr zu nutzen, frei zu geben und zu Teilen.

Auch das Teilen von Ordnern oder Dateien innerhalb einer Gruppe, mit einem bestimmten anderen Benutzer oder für die Öffentlichkeit zum Download ist möglich. Es gibt inzwischen viele Universitäten, die auf Nextcloud (oder Owncloud) mit mehreren tausend Benutzern setzen. Da es sich um eine Webanwendung in PHP geschrieben handelt, skaliert die Anwendung recht gut. Das Beste ist allerdings, dass die Software komplett Open Source ist und somit kostenfrei genutzt werden kann. Unternehmen können allerdings bei Nextcloud Support erwerben.

Was benötige ich jetzt genau um das auch selbst aufsetzen zu können?

Wie schon erwähnt einen Computer mit ausreichendem Speicherplatz und eine Internetverbindung. Die Software natürlich auch noch. Diese gibt es hier. Da PHP-Anwendungen nicht unbedingt gut auf Windows funktionieren, benötigen wir am Besten Linux als Betriebssystem. Ubuntu oder Debian bieten sich hier an.

Natürlich ist es auch möglich gegen Entgelt sich einen (v)Server im Internet zu mieten. Der Vorteil hier ist ganz klar, dass diese in einem dafür ausgelegten Rechenzentrum bereit gestellt werden können. Schnelle Anbindung, Ausfallsicherung und ggf. noch automatisierte Backups sind hier klar die Vorteile.

Für die Bereitstellung eines solchen Servers kann ich uneingeschränkt netcup.de * empfehlen.

Wenn du allerdings zwar Speicherplatz, Rechenleistung und Co. ohne Administration eines Linux-Servers haben willst, gibt es entweder bei netcup so genannte Managed Server oder von Hostnet die Managed Root Cloud. Wenn dir 10 GB ausreichen, kannst du auch mit Uberspace anfangen, musst hier aber mit den Einschränkungen leben können.

{Update 07.01.18}

Etwaige notwendige Skills für Linux-Systeme können am Besten auf udemy gelernt werden. Empfehlungen für Kurse:

Welche Risiken habe ich?

Du betreibst einen Dienst im Internet. Es muss dir bewusst sein, dass das System unter Umständen angegriffen wird, ein Hacker versucht das System zu infiltrieren und du für Updates selbst sorgen musst.

Auch im Urlaub; auch wenn du grad in der Disco stehst oder im Krankenhaus liegst.

Wenn dein System übernommen wird, können (Kinder-) Pornos, Spamschleuder oder Ähnliches über den Server betrieben oder bereit gestellt werden. Es ist also wichtig sich mit der Thematik nicht mal eben zu beschäftigen, sondern dir Gedanken darüber zu machen. Es gibt Möglichkeiten das Risiko zu minimieren, aber einen 100%igen Schutz gibt es nicht.

Was muss ich tun? Gibt es einen Crashkurs?

Nein, einen Crashkurs gibt es nicht. Um die Nextcloud mal aus zu testen, bietet sich eine virtuelle Maschine mit Virtualbox an, Docker oder du steigst bei einem der offiziellen Provider ein.

Bevor du irgendetwas an das Internet hängst, teste es bitte bei dir zu Hause aus. 

Haftungsausschluss

Die Anleitung ist nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Ich übernehme allerdings keine Garantie für den Sicheren Betrieb von deiner Nextcloud. Du bist selbst für Updates, Systemhärtung und Betrieb zuständig und verantwortlich. 

Schritt für Schritt erklärt

Weiter geht es in ein paar Tagen mit dem zweiten Teil, worin ich erkläre, wie du deine eigene Nextcloud aufbaust.


  • Affiliate Link // Beitragsbild ist von Nextcloud.com